cover dasguteleben e1548430456771„Vom Leben auf Kosten anderer ins gute Leben für alle“. Der Titel der Veranstaltung war an diesem Abend Programm, passend zu den für viele noch frischen Vorsätzen fürs neue Jahr. Im Rahmen des Jahresauftaktes  „Ideenschmiede“ kamen am Donnerstag, den 30. Januar rund 50 Besucher im Hüruper Dörpshus zusammen.

Nach einer kurzen Begrüßung referierte Jonas Lage, Mitautor des Buchs „Das gute Leben für alle – Wege in die solidarische Lebensweise“ (das als PDF hier kostenlos verfügbar ist) und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Europa-Universität Flensburg. Mit vielen Beispielen aus der alltäglichen Lebenswelt erklärte Lage, was verschiedene Krisen, von der Bankenkrise über die Flüchtlingskrise bis zur Klimakrise, miteinander verbindet. Und warum es uns so schwerfällt, die Ursachen der Krisen anzugehen. Seine These: Die dahinterliegenden Strukturen sind tief verankert und im Vergleich zu früheren Generationen noch stabiler. Beispiel dafür gebe es zuhauf, ob bei der Mobilität (eigenes Auto, Flugreisen), bei der Ernährung (dass wir fast täglich ein gutes Stück Fleisch auf dem Teller haben) oder dem Traum vom geräumigen Einfamilienhaus: inzwischen sind diese Bedürfnisse „normal“ bzw. schon fast selbstverständlich geworden. Infrastrukturen (z.B. Aufteilung des öffentlichen Raums zwischen Autos und Radfahrern/Fußgängern) und staatliche Subventionen (von der Pendlerpauschale bis zur Eigenheimzulage) festigen diese Lebensweisen.

Ideenschmiede 20200130 ReferentDiesem Lebensentwurf stellte der Referent die „solidarische Lebensweise“ entgegen. Er ermutigte die Zuhörer, die Wachstumslogik in Frage zu stellen. "Dasselbe in Grün ist keine Lösung", so Lage. Was das gute Leben für alle ausmache, seien die Dinge, die Leben erhalten und Beziehungen entfalten. „Weniger ist oft mehr“, so Lage. Suffizienz, das bewusste „Genug-Haben“, Teilen und individuelle Freiräume, um als Teil einer Gemeinschaft Dinge mit zu gestalten – diese Dinge machten eine nachhaltige, enkeltaugliche Lebensweise aus.

An den Einzelnen zu appellieren sei dabei wichtig, reiche aber noch nicht, so Lage. Um eine gesamtgesellschaftliche Transformation zu ermöglichen, müssen hierfür auch die politischen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Beispiel „Fahrradhauptstadt“ Kopenhagen. Hier wurde der öffentliche Raum zugunsten von Radfahrern und Fußgängern neu aufgeteilt und der ÖPNV gestärkt. Ergebnis: Viele Kopenhagener lassen das Auto stehen. Bei einer Befragung gaben nur 7% der Fahrrad-Pendler an, Klimaschutz sei ein Hauptmotiv. Wichtigste Argumente sind: Es geht schneller als mit dem Auto, es ist günstiger, komfortabel, sicher und zudem noch besser für die Gesundheit.

Positivbeispiele für den Wandel gäbe es, so Lage, aber auch hierzulande: die Anti-Atomkraft-Bewegung, das Erneuerbare-Energien-Gesetz und die Bürgerenergie-Bewegung. In seiner Abschlussthese ermutigte der Referent, für den Wandel und gegen die „imperialistischen Strukturen“ zu kämpfen und sich dazu politisch zu organisieren und mit anderen zusammenzuschließen.

Da war eine nahezu perfekte Überleitung zum zweiten Teil des Abends. Um den Weg von der Theorie in die Praxis zu erleichtern und sich untereinander zu vernetzen, hatte BobenOp verschiedene Initiativen aus Flensburg und dem Umland eingeladen. Auf einem „Markt der Ideen“ stellten sich die Klimaaktionsgruppe Flensburg, der Tauschring, der Verkehrsclub (VCD), der Projektraum „108“ zur Förderung ökologisch-nachhaltigen Denkens und Handelns, Foodsharing und die Arbeitsgruppe Tiny-House-Park Hürup vor und kamen mit den Ideenschmiede-Besuchern ins Gespräch.

Ein fulminanter und inspirierender Auftakt ins neue Jahr“, so BobenOp-Geschäftsführer Christoph Thomsen in seinem Fazit. Er dankte allen, die an verschiedenen Stellen den Wandel zum „guten Leben für alle“ mitgestalten und sich dafür engagieren. Das mache Mut und Lust auf mehr.