Obwohl jeder seinen Stromanbieter frei wählen könnte, bleiben viele einfach beim Grundversorger. Damit erhalten die Stromversorger zu wenige Marktsignale über den Kundenwillen und treiben wohl auch deswegen die Energiewende nicht im notwendigen Maße voran.

Warum wird nicht gewechselt? Gegen einen Wechsel sprechen individuelle, diffuse oder auch durch Medienberichte konkretisierte Befürchtungen, „im Dunkeln dazustehen“, falls ein Anbieter insolvent werden sollte, aber auch die irrige Annahme, jeder Anbieter sorge selbst für die physikalische Lieferung des Stroms, so dass z.B. bei regionaler Flaute kein (Wind-)Strom geliefert werde. Die Regelungen der Grundversorgung und die Funktionsweise des Strommarkts sind vielen Verbrauchern nicht bekannt.

Deshalb bietet der Energiewendestammtisch in Hürup regelmäßig Veranstaltungen an, bei der diese Zusammenhänge erklärt werden, um zu einem Wechsel des Stromanbieters anzuregen. Ähnlich einer Tupper-Party werden die wählbaren Produkte dargestellt – aber anders als bei einer Tupper-Party in einem anbieterunabhängigen Vergleich mehrerer Entscheidungskriterien wie Stromherkunft, Grund- und Arbeitspreis, Erreichbarkeit der Ansprechpartner, Laufzeit und Kündigungsfrist, Solvenz und Zahlungsmodalitäten.  

Alle Aktionen werden durch ehrenamtliches Engagement getragen. Dazu gehören Angebotsrecherche und Vorverhandlungen mit den Stromanbietern, Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Infoveranstaltungen, Verwaltung der Nutzerdaten, Nachhaken und Problemlösung beim Anbieterwechsel.

Im ersten Jahr wurden über 240 Tonnen CO2 eingespart (gegenüber dem bundesweiten Energieträgermix mit 563 g CO2/kWh), im zweiten Jahr 310 Tonnen. Ziel ist die Beteiligung aller 595 Hüruper Haushalte mit derzeit über 3.000 MWh Strombedarf, entsprechend einer Einsparung von 1.700 t CO2 gegenüber 100 % Graustrom.

Die erste „Stromwechselparty“ fand am Nikolaustag 2012 statt. In der ersten Runde (Dezember 2012 bis November 2013) haben sich 100 Haushalte, hauptsächlich aus Hürup, für einen gemeinsamen, regionalen Grünstromanbieter entschieden. Damit wurden 430.000 kWh Grünstrom von einem regionalen Anbieter abgenommen.

In der zweiten Runde (Dezember 2013 bis November 2014 haben 130 Haushalte insgesamt 550.000 kWh Grünstrom bezogen. Über 130.000 € blieben im 2. Jahr in der Region und gingen nicht an große Konzerne.

Derzeit beziehen 160 Haushalte 700.000 kWh Strom pro Jahr und sparen damit 310 t CO2 pro Jahr.

 

Der Gaspool beinhaltet derzeit 24 Gasverträge mit ca. 546.000 kWh Gasverbrauch.